Pressemitteilung vom 04.04.2024
Nachdem die Polizei die Dondorf Druckerei ein zweites Mal mittels Gewalt geräumt hat, durften
Mitglieder der Druckerei für Alle vor Kurzem das Gelände betreten, um den verbliebenen Besitz
des Kollektivs zurückzubringen. Hierbei konnte sich ein Bild vom entsetzlichen Zustand des Ge-
bäudes gemacht werden. Sämtliche Türen sind mit Holzplatten vernagelt und teils zugemauert,
weitere Fenster wurden von innen weiß angestrichen, manche wurden eingeschlagen, im ersten
Stock und im Keller sind Türen und Fenstern komplett vermauert. Die normale Luftzirkulation
wird dadurch verhindert – es ist klamm, es ist kühl und es ist lichtlos. Vermüllungen im Innenhof
und einzelnen Räumen im Inneren der Druckerei haben weitaus größere Ausmaße angenommen
als schon in der bisherigen Zeit der reinen Verwaltung durch die Goethe-Universität. Der Zu-
stand, in welchem das Gebäude vorgefunden wurde, ist wesentlich schlechter als im Sommer
letzten Jahres während der ersten Besetzung – in Folge der ersten Räumung wurde das Gebäude
seitens der Verwaltung systematisch entwertet, die Bausubstanz leidet enorm. Die Goethe-Uni-
versität, welche das Haus eigentlich in benutzbarem Zustand an die Max-Plank-Gesellschaft
übergeben sollte, zerstört es nach deren Absage aktiv und hat mittlerweile auch in ihrem Ver-
barrikadierungseifer das Juridicum und sogar einen Zugang zur B-Ebene der U-Bahn-Station
Bockenheimer Warte unter großem Aufwand und ohne Rücksicht zugemauert.
Was unter dem Feigenblatt der Gebäudesicherung geschieht, schadet dem Erhalt der alten Dru-
ckerei, wo dies doch mittlerweile allgemein als erstrebenswert angesehen wird. Auch die Zwi-
schennutzung als Ateliers, welche anfangs vom Kollektiv und mittlerweile sogar von der Frank-
furter CDU gefordert wird, ist dadurch erschwert. Sanierungen und Renovierungen werden im-
mens verteuert. Denn jetzt kommen mehr Arbeitsprozesse hinzu, die vorher nicht notwendig
gewesen sind, wie das Entfernen von Mauern vor Fenstern, zugeschraubten Türen, das Austau-
schen oder Reinigen von sämtlichen Fenstern eines fünfstöckigen Gebäudes und natürlich die
Bekämpfung von Schimmel in der Bausubstanz. Fraglich bleibt, ob diese dann überhaupt noch
weiterhin belastbar ist. Wird hiermit nicht genau ein Abriss wahrscheinlicher? Klar bleibt, die
Sanierungsinvestitionen verteuern sich, indem die Dondorf Druckerei vor einer weiteren Beset-
zung geschützt werden soll. Dass diese Mittel in keinem Verhältnis zu einem forcierten Denk-
malschutz stehen, sondern ihn torpedieren, ist augenfällig.
Erneut müssen wir darauf hinweisen, dass die jetzt geforderte Zwischennutzung während den
Besetzungen Realität war und sich im Ausbau befand, das zeigte auch ein Nutzungskonzept für
das Areal. All diese Mauern und ihr anstehender Rückbau wären überflüssig, der andauernde
Leerstand hätte beendet werden können, wenn sich die Verantwortlichen, Verwaltenden und
Besitzenden auf konstruktive Verhandlungen mit unserem Kollektiv eingelassen hätten, ohne die
Staatsgewalt auf den Plan zu rufen. Wir halten dieses Vorgehen für ein Versagen eben jener
Akteure, und bestärken unsere Forderung einer unkommerziellen Zwischennutzung sowie einer
Öffnung des Gebäudes zum nächstmöglichen Zeitpunkt! Die Zeit der Besetzung hat die Dondorf
Druckerei erhalten, während die Zeit des beabsichtigten Leerstands die Gebäude mehr und mehr zerstört – das sollte jetzt auch den Letzten klar sein.
