SOLIDARISCHER AUFRUF: DIE DRUCKEREI IST UNSER ALLER KAMPF!

Die Geschichte der Dondorf-Druckerei ist eine Geschichte von Verlust, Widerstand und Hoffnung. Nach ihrer Nutzung durch die jüdische Familie Dondorf und die SPD, übernahm die SA die Druckerei 1933 gewaltsam und die Faschisten druckten dort ihre Zeitschrift “das Volksblatt”. Nach der NS-Zeit wurde das Gebäude Atelier und Lernort für den Studiengang Kunstpädagogik der Goethe Universität und stand nach dem Umzug des Campus schließlich kurz vor dem Abriss, um einem modernen Neubau des Max-Planck-Instituts Platz zu machen. Doch dieser drohende Abriss symbolisierte für uns weit mehr als nur den Verlust eines Hauses: Er stand für die Zerstörung eines historischen Ortes – inzwischen einer der wenigen historischen Orte, die noch an jüdisches Leben in Frankfurt erinnern – und eines möglichen Raums der Freiheit. Darum haben wir uns dagegen gewehrt.


Im Sommer 2023, nachdem die Forderungen von Bürgerinitiativen und dem Ortsbeirat Bockenheim jahrelang ignoriert wurde, entschieden wir uns als Kollektiv, die Druckerei zu besetzen. Tage und Nächte lang verwandelten wir das Gebäude zusammen mit der Nachbarschaft, der Stadtgesellschaft, den Vereinen, Initiativen und der politischen Szene in einen lebendigen Freiraum. Wir organisierten offene Plena, Ausstellungen, kreative Ateliers und einen Raum für den Austausch über alternative Orte der politischen Begegnung und Stadtgestaltung. Wir knüpften Verbindungen zu Geschichtsvereinen und dem Jüdischen Museum, um die Druckerei zu einem Gedenkort an die Vernichtung jüdischen Lebens und die faschistischen Gewalttaten zu machen. Unsere Vision war klar: Wir wollten die Druckerei zu einem Ort des Widerstands und der gemeinsamen Gestaltung einer besseren, freieren Zukunft machen.


Wir kritisierten den geplanten Abriss aber nicht nur als eine Unsichtbarmachung von Geschichte und Verunmöglichung eines Freiraums. Wir nahmen den Kampf auch auf, um den ökologischen Wahnsinn sichtbar zu machen: Die Zerstörung eines intakten historischen Bauwerks, um Platz für einen Neubau zu schaffen. Für uns war dieses Gebäude noch gut nutzbar und ein Raum voller Potenzial – für gemeinschaftliches Leben, Arbeiten, Kunst und Begegnung jenseits kommerzieller Zwänge. Diese Vision ließen wir uns nicht nehmen, auch nicht durch die gewaltsame Räumung im Juli 2023. Im Gegenteil: Sie trieb uns an, die Druckerei erneut zu besetzen. Am Samstag, den 9.12.23 versammelten sich trotz der winterlichen Kälte neue und alte Gesichter, um die leerstehende Druckerei noch einmal zu beleben. Wir öffneten den Hof für ein Straßenfest und luden die Nachbarschaft wieder ein sich zu beteiligen und unsere Vision zu teilen. Wir führten Verhandlungen, hielten Pressekonferenzen und     machten unermüdlich auf unseren Kampf aufmerksam. Doch statt auf unser Anliegen einzugehen, ließ die Universitätsleitung uns erneut gewaltsam räumen. Während die Polizei heranstürmte stiegen einige Aktivist*innen auf das Flachdach der Druckerei, wo eine Räumung aufgrund der Nähe der Aktivist*innen zur Dachkante als nicht sicher eingestuft wurde und darum nicht durchgeführt werden konnte.

Fünf Tage lang wehrten die Besetzer*innen sich gegen die eisigen Temperaturen, den anhaltenden Druck und die Belagerung durch die Polizei, während wir als Kollektiv eine Mahnwache aufbauten. Dauerhaft hat die Polizei die Versorgung der Besetzer*innen mit Lebensmitteln und Wasser verweigert und gewaltsam auf die immer wieder erfolgreichen Versorgungsaktionen von unten reagiert. Die Mahnwache war ein Ort des Widerstands, der kreativen und kämpferischen Auseinandersetzung, der die Polizei und ihre Gewalt herausforderte und gleichzeitig die Öffentlichkeit einbezog und weiter informierte und politisierte. Nach fünf Tagen des Widerstands, überwältigten schließlich einige SEK-Beamt*innen in einer lebensgefährlichen Aktion die übrigen Aktivist*innen auf dem Dach im Schlaf und beendeten damit die Besetzung.Aber der Kampf war nicht umsonst. Wir haben viel gelernt, sind als Bewegung zusammen gewachsen und haben das Thema Leerstand wieder kritisch sichtbar gemacht und viele Menschen für ihren Stadtteil aktiv werden lassen. Und: die Besetzungen verhinderten, dass die Druckerei abgerissen wird. Stattdessen wird das Gebäude nun restauriert und wird vom Kunstmuseum Schirn zwischengenutzt werden.    Zwar ist die Druckerei nicht der Freiraum geworden, den wir uns erträumt haben, doch sie bleibt ein Symbol für die Kämpfe um Klima, Stadtgestaltung und kollektive Selbstorganisierung, die Tag für Tag geführt werden. Dieser Erfolg wäre nicht möglich gewesen ohne die Zusammenarbeit und Motivation unterschiedlichster Akteur*innen und den Mut derer, die sich gegen die Gewalt der Polizei und die kapitalistischen Besitzverhältnisse gestellt haben. 

Nun sehen sich viele Aktivist*innen mit Gerichtsprozessen konfrontiert, da die    Universität nicht von ihrer Anzeige und somit den Strafbefehlen zurückweichen will.Wir stehen solidarisch an ihrer Seite. Wir prangern die Doppelmoral der Uni an, sich selber für den Erhalt der Druckerei auf die Schulter zu klopfen und gleichzeitig die Strafprozesse mit voller Härte fortzuführen statt die Strafbefehle zurückzuziehen. Wir lassen uns nicht durch diese Abschreckungsmaßnahmen einschüchtern, denn wir wissen, dass wir für die richtige Sache kämpfen. Doch wir brauchen eure Unterstützung! Spendet, um diesen Kampf weiterzuführen und die Kraft für die Kämpfe von morgen zu sichern. Denn nur gemeinsam  können wir die Stadt, das Leben und die Zukunft gestalten, die wir uns erträumen.        

Rote Hilfe Frankfurt

IBAN: DE24 4306 0967 4007 2383 90

BIC: GENODEM1GLS

Spendenzweck (unbedingt angeben!): Druckerei


Die Druckerei gehört uns allen! Die Besetzungen leben! Stadt für alle und Druck von unten!