ZUR ABGESCHLOSSEN RÄUMUNG DER DONDORF-DRUCKEREI

Pressemitteilung vom 19.12. 2023

11 Tage lang haben wir die Druckerei besetzt. 11 Tage lang haben wir die Uni, das Land und die Polizei vor uns hergetrieben. 11 Tage lang waren in den Straßen und über den Dächern Bockenheims unsere Rufe, unser „Nein“ für alle zu hören, unser Aufbegehren zu spüren.
Heute in den frühen Morgenstunden hat die Polizei im Schutze der Dunkelheit, sich dem Licht der Öffentlichkeit entziehend, die Besetzer*innen vom Dach geräumt. Wie zu erwarten war, nicht ohne dabei die brachiale Gewalt der letzten Tage fortzusetzen und unsere Genoss*innen zu verletzen.
Mehr als 110 Stunden hatten sie auf dem Dach ausgeharrt. Trotz Kälte, trotz fehlender Versorgung, trotz Belagerung durch die Polizei: sie hatten immer ein Lächeln auf ihren Lippen, immer die Fäuste oben zum Gruß, ihre Stimmen waren in unseren Sprechchören immer laut vernehmbar.
Aber nicht nur oben auf dem Dach waren wir entschlossen, die Druckerei als einen Ort des gemeinsamen politischen Zusammenkommens, des Erinnerns und der sozial-ökologischen Umgestaltung des Campus Bockenheim von unten zu erkämpfen. Auch auf der Straße vor der Druckerei begleiteten Hunderte über die letzten Tage die Besetzung und auf der Mahnwache vor der Druckerei entstand ein Raum der kollektiven Solidarität, des Teilens von Geschichten und von Wut, des Erlebens des Gemeinsamen. Mit einer wütenden Demo trugen wir unsere Forderungen Sonntagabend an den IG-Farben-Campus. Zahlreiche Solidaritätsbekundungen und offene Briefe von Instituten, Künstler*innen, politischen Organen, Initiativen, Nachbar*innen und Genoss*innen erreichten uns und adressierten die Uni und das Land. Nicht zuletzt stellte sich Donnerstagabend die studentische Vollversammlung, einberufen vom AStA, auf unsere Seite.
Kein Wunder also, dass die Uni Angst bekommen hat. Kein Wunder also, dass die Polizei mit hunderten Wannen, Einheiten, Hebebühnen, Helikoptern und Drohnen kam. Kein Wunder also, dass sie versuchten unsere Leute auf dem Dach auszuhungern. Kein Wunder also, dass sie durch Platzverweise für Menschen von der Mahnwache versuchten, unsere kämpferische Solidarität in die Schranken zu weisen.

Die stumpfe Gewalt, die von den Kräften der Ordnung – Polizei, Uni und Land Hand in Hand – ausging, ist nun mal die einzige Sprache, die sie sprechen, wenn ihre Fassade der Diskursoffenheit und der demokratischen Toleranz bröckelt. Sie haben keine andere Antwort auf unsere Kämpfe von unten.
Wir kommen wohl nicht darum herum, uns zu den lächerlichen Ausführungen des Universitätspräsidiums zu äußern, mit denen sie auf sechs Seiten versuchen, ihr Gesicht zu wahren. Wir wissen: ohne die Mittel, die wir gewählt haben, um unsere Forderungen deutlich zu machen, ohne unsere Entschlossenheit, unser Durchhaltevermögen und unsere Wut wäre die Uni und das Land nie auch nur einen einzigen Schritt auf uns zugekommen. Deshalb waren, was wir taten, notwendige und legitime Schritte, mit denen wir uns Gehör verschafften. Verhandlungen mit dem Druckerei-Kollektiv wurden erst angeboten, als wir sie mit der Besetzung erzwangen. Und selbst dann erst, als unsere Delegierten quasi ans Büro des Präsidenten klopften. Jegliche erste Kontaktaufnahmen mit der Uni seitens des Kollektivs via Mail wurden ausgeschlagen.

Wissenschaftsministerin Angela Dorn konnten wir nur an den Verhandlungstisch holen, weil unsere Leute sich dazu entschieden hatten, den Druck zu erhöhen und dem ersten Räumungsversuch der Polizei auf dem Dach zu trotzen. Nur folgerichtig, dass sie ihr Gesprächsangebot heute Morgen, just im Moment der endgültigen Räumung des Daches, wieder zurückzog. Das sagt alles über ihre heuchlerische Haltung, die sich mehr schlecht als recht hinter der Maske von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie verbirgt. Demokratisch und offen für Dialog sind Uni und Land nur, wenn wir uns den Dialog von unten erkämpfen.
Sowohl das Präsidium als auch Angela Dorn knüpften die Verhandlungen an die Bedingung, dass wir uns durch das Verlassen des Gebäudes in eine ohnmächtige Position begeben. Wie lächerlich also auch die Behauptung, wir – und nicht sie – hätten uns auf die Verhandlungen nicht eingelassen: mit unserem Zugeständnis, uns auf eine Zwischennutzung einzulassen, sind wir auf unser Gegenüber zugegangen. Trotz der Machbarkeit dieses Unterfangens stießen wir auf taube Ohren. Wir sind diejenigen, die Verhandlungen wollten und erkämpft haben. Seitdem das Ultimatum der Uni letzte Woche verstrichen ist, gab es keine neuen Gesprächs- oder sonstige Angebote vonseiten der Uni.

Dabei zeigt sich auch, wie weit sich das Universitätspräsidium entfernt hat von der kritischen Stadtgesellschaft und von den eigenen Studierenden: Die Forderungen einer studentischen Vollversammlung wurden genauso ignoriert, wie zahlreiche Solidaritätsbekundungen von universitären Organen und Mitarbeiter*innen. In derselben Manier autoritärer Ignoranz wird auch das neue Studierendenhaus auf dem IG-Farben-Campus infrage gestellt. Eine aktive Studierendenschaft, die mehr will als sich in der grauen Schießschartenarchitektur des IG-Farben-Campus einzurichten, ist unerwünscht.
Dabei ist das alles nicht so kompliziert und wir sagen es hier noch einmal: Wir wollen eine Zwischennutzung als Ort des solidarischen Zusammenkommens, als Ort des Austausches, als Ort der demokratischen Selbstverwaltung, als Ort der Zivilgesellschaft und der Kämpfe von unten für eine Stadt für alle. Und wir wollen den Erhalt des Gebäudes.
Wir haben gezeigt, wie eine andere Stadt von unten aussehen kann: solidarisch und radikal demokratisch. Wir haben gesehen, dass es diese Stadt eben nur von unten geben kann. Sie muss gegen die Stadt von oben erkämpft werden. Wir haben vielleicht die Druckerei heute nicht gewonnen, aber wer sagt, dass das letzte Wort schon gesprochen ist?

Was wir klargemacht haben: das letzte Wort sprechen nicht die Knüppel und die behelmten Einheiten im Auftrag von Uni und Land, die uns schon letzten Sommer aus unserem Haus vertrieben. Das letzte Wort sprechen immer noch die, die sich nicht zufriedengeben mit dem, was ist. Das letzte Wort haben wir, die Träumer, die Mutigen, die Wütenden. Die, die alles über Bord werfen und handeln, wenn die traurige Fassade des kapitalistischen Alltags Risse bekommt.

Unsere Träume lassen sich nicht räumen.
Wir kommen wieder – der Kampf um unsere Druckerei ist noch lange nicht vorbei!

DEMONSTRATION ZUR SOLIDARITÄT MIT DEN AKTIVIST*INNEN AUF DEM DACH DER DRUCKEREI

Presseinformation vom Morgen des 17.12.2023

Am 17.12. findet um 16 Uhr eine Demonstration an der Bockenheimer Warte statt, um die Besetzenden zu unterstützen, die sich aktuell noch auf dem Dach der Dondorf-Druckerei befinden. Seit mehr als 72 Stunden wird den Besetzenden durch die Polizei der
Zugang zu Wasser, Nahrung, Wärme und juristischer Hilfe verwehrt. Auch
parlamentarischen Beobachter*innen wurde der Zugang zum Dach verwehrt.
Nach anwaltlicher Einschätzung befinden sich die Besetzenden auf dem Dach
bereits in Gewahrsam, wodurch das Handeln der Polizei einen klaren Rechtsbruch darstellt. „Wir verurteilen diese unmenschliche Behandlung aufs Schärfste, und rufen deshalb zur Demonstration auf.“, Lukas Geisler vom Kollektiv die Druckerei. „Eine Klage
gegen die Polizei wurde bereits erhoben. Die Grundversorgung der Besetzenden auf dem Dach muss gewährleistet werden!“

„Wir fordern weiter Straffreiheit für die Besetzenden, den Erhalt der Druckerei sowie deren Nutzung als unkommerzielles Kultur- und Stadtteilzentrum!“, sagt Fritzi
Bender. „Wir sind dahingehend weiterhin zu Verhandlungen bereit.“

Solidarisiert mit der Besetzung haben sich neben universitären Gruppen, Bürger*innen und Kulturschaffenden der Stadt Frankfurt inzwischen auch unzählige Künstler*innen aus ganz Deutschland. Unter ihnen sind Mal Eleve, Disarstar, ZSK, Kavfka, Pöbel MC, PTK und Waving the Guns. „Die Solidarität die wir inzwischen aus ganz Deutschland erhalten gibt den Besetzenden Kraft und zeigt, dass wir mit unserer Forderung nach einer lebenswerten Stadt, für und mit den Menschen die hier leben, nicht allein sind. Wir stehen Sonntag und an allen Tagen zusammen gegen die Räumung, gegen das gewaltsame polizeiliche Vorgehen und für eine Stadt für Alle“, sagt Jule Liebig von der Druckerei.

AKTUELLER STAND DER RÄUMUNG

Pressemitteilung vom späten Abend des 14.12.2023

Wie schon seit heute Mittag, ist die Räumung nicht mehr aktiv im Gange. Doch es befinden sich weiterhin Personen auf dem Dach der Dondorf-Druckerei. Die Polizei hat das Gelände abgeriegelt und bewacht es.

Diejenigen, die sich entschieden haben, freiwillig das Dach zu verlassen, wurden mit falschen Versprechen, keine Strafanzeigen oder Aufenthalte in der GeSa erwarten zu müssen, vom Dach gelockt. Das geschah dennoch. Das ist keine Überraschung – wir wissen, wir können der Polizei nicht vertrauen. Sie zeigt uns das unter anderem immer wieder, indem sie gesellschaftlich erkämpfte und belebte Projekte zerstört.

In diesem Fall setzt sie auf ein gezieltes Aushungern der Menschen. Ihnen wird der Zugang zu Essen und Trinken verwehrt, sie haben keinerlei Schutz vor der Kälte und müssen dem Druck der sie ständig bewachenden Polizist*innen stand halten.

Doch davon lassen sie sich nicht klein kriegen! Sie gehen nicht kampflos, wenn es keine klaren Zusagen und Taten gibt. Und sie gehen nicht wenn ihnen und allen ein Teil der Stadt genommen wird.

Zeitgleich ist seit dem Abend der Raum in dem die studentische Vollversammlung an der Goethe-Universität stattfand, besetzt. Denn auch an der Universität werden Versprechen von Freiräumen nicht eingehalten. Es zeigt sich: Freiräume müssen sich überall von unten selbst erkämpft werden!

Das Kollektiv „Die Druckerei“ wurde von Seiten der Stadt für morgen den 15.12. zu einem Gespräch mit der Universität und dem Land Hessen eingeladen, an dem es auch teilnehmen wird. In welcher Form die Universität teilnehmen wird und ob überhaupt das Land Hessen teilnehmen wird ist unklar.

Das Kollektiv fordert die Goethe-Universität auf, ihre leeren Worte, wahr werden zu lassen und den Gesprächen Taten folgen zu lassen. Außerdem fordert es das Land Hessen, insbesondere die Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Angela Dorn auf, der Einladung zu folgen und an einem Gespräch mit dem Kollektiv teilzunehmen.Nur so kann über die Zukunft der Dondorf-Druckerei entschieden werden.

ZUM RÄUMUNGSVERSUCH DER DONDORF DRUCKEREI

Pressemitteilung vom Donnerstag, den 14.12.2023, 16:30 Uhr


Am frühen Morgen des 14.12.2023 begann die Polizei Frankfurt mit der Räumung der Dondorf Druckerei. Dies tat sie gewaltvoll, zwei Aktivistinnen, die sich in einer Menge als Unterstützung vor den Toren versammelten, wurden festgenommen sowie zahlreiche Menschen durch körperlichen Zwang und Schläge vom Bürgersteig entfernt. Nach einigen Stunden hatte die Polizei das Gebäude sowie das Außengelände geräumt, es fehlte lediglich das Dach, wo sich mehrere Aktivistinnen aufhielten und dies auch immer noch tun.


Um 14:15 Uhr gab die Polizei Frankfurt bekannt, dass man aus Sicherheitsgründen ausharre und dass Dach nicht räumen könne. Man könne ja immer noch freiwillig gehen; eine höhnische Aussage, wenn
die Repression an die Dachluke klopft. Was tatsächlich von der Universität freiwillig getan werden könnte, wäre den Strafantrag zurückziehen und sich endlich auf Augenhöhe zu begegnen.

Die Polizei hat es bisher nicht geschafft, die Räumung zu vollziehen und es scheint als warteten sie nun darauf, dass die Aktivist*innen das Dach freiwillig verlassen und damit deren körperliche und mentale Gesundheit aufs Spiel setzen. Dass zu diesen primitiven Mitteln gegriffen wird zeigt, dass das Kollektiv jetzt bereits einen Teilsieg über den Repressionsapparat und im Kampf um Freiräume und für eine ökologische Stadt von unten für Alle errungen haben. Das Kollektiv fordert das Land Hessen, sowie das Präsidium der Goethe Universität Frankfurt erneut auf, mit uns in Verhandlungen zu treten. Oder wollt ihr die Aktivisti bei Wind, Wetter, Kälte ohne Essen und Trinken auf unbestimmte Zeit dort oben festhalten?


Für Verhandlungen stehen wir weiterhin zur Verfügung.


„Die Menschen, die sich aktuell noch auf dem Dach befinden, sind nicht bereit dieses freiwillig zu räumen, solange die Dondorf Druckerei von der Polizei belagert und abgeriegelt ist. Falls notwendig
verbringen sie dort oben die Nächte!“, ergänzt Jule Liebig.

DIE DONDORF-DRUCKEREI WIRD GERÄUMT

Pressemitteilung vom Morgen des 14.12.2023

Die Dondorf-Druckerei in Bockenheim wurde am vergangenen Samstag den 09.12. erneut besetzt, nachdem Aktivist*innen des Kollektivs “Die Druckerei” bereits im Juni 2023 das Areal der Universität zu einem nicht-kommerziellen Kulturzentrum erklärt hatten und wird nun wieder seit den frühen Morgenstunden geräumt.
Das Kollektiv setzt sich nicht nur gegen den Abriss des Gebäudes aus ökologischer und geschichtspolitischer Perspektive ein, sondern auch aus sozialer Perspektive. Die Aktivist*innen kritisierten bereits im vergangenen Sommer, dass das Gebäude zu lange leer stehe, während es zeitgleich zu wenig frei zugängliche Räume in Frankfurt gebe, die mit Kunst, Kultur und Politik gefüllt werden. Ein Prestigeprojekt wie es das Land Hessen und die Max-Planck-Gesellschaft planen, würde dieser Dynamik weiterhin Rechnung tragen.

Von Seiten der Verantwortlichen aus Max-Planck-Gesellschaft, Ministerium für Wissenschaft und Kunst des Landes Hessen sowie von der Goethe Universität Frankfurt, welche die Liegenschaften verwalten, gab es erst auf unser Hinwirken Kommunikation. In Gesprächen der letzten Tage formulierte die Leitung der Universität ein Ultimatum. Wenn das Gelände bis zum 13.12.2023 um 16 Uhr verlassen werde, wird der Strafbefehl zurückgenommen und ein Dialog mit dem Land in die Wege geleitet. Dieses Angebot ist dem Kollektiv zu schwach. Darum wurde dem Ultimatum nicht nachgekommen. Stattdessen wurde versucht mit einem Räumungsmoratorium bis zum 15.12.2023 um 20 Uhr eine weitere Verhandlungsrunde einzuschlagen, in welcher folgendes abgesichert werden soll: Zum Ersten der Erhalt der Dondorf-Druckerei unter Maßgabe des Denkmalschutzes und zum Zweiten, konkrete Gespräche zwischen dem Kollektiv „Die Druckerei“, der Universität und dem Land Hessen über eine mögliche Zwischennutzung bis zur Übernahme durch das MPIEÄ.
Statt mit dem Kollektiv zu verhandeln, noch während es die Dondorf-Druckerei besetzt hält, wird wie angekündigt, mit einem großen Polizeiaufgebot geräumt. Das zeigt nicht nur, dass die Verantwortlichen Leerstand und Verfall einer sinnvollen Nutzung des Gebäudes vorziehen. Es zeigt überdies, dass Universität und das Land Hessen es für eine gute Idee halten, mit einer rechtsextremen Polizei zusammenzuarbeiten.
Jule Liebig von “Der Druckerei” sagt über die gewaltsame Räumung nun: „Dass die Polizei uns aus der alten Dondorf-Druckerei mit einem Strafbefehl der Goethe-Universität zum zweiten Mal räumt, beweist, dass die Universität weder ein Interesse an dem Erhalt historischer Gebäude hat, noch ein Interesse an politischen Freiräumen und Diskursen auf ihren Geländen. Wir sind wütend und traurig, geben aber den Kampf um unsere Druckerei nicht auf.“

Das Kollektiv hatte in den Monaten zwischen den Besetzungen ein Nutzungskonzept für ein nicht-kommerzielles Kulturzentrum entwickelt und veröffentlicht, in dem für das gesamte Gelände Ideen gesammelt wurden und Möglichkeiten vorgestellt wurden, wie Nachbar*innen und Interessierte sich einbringen können. Es wurde deutlich, welches Potential in der Druckerei schlummert. Dieses geht nun wieder verloren.
Fritzi Bender, ebenfalls Mitglied des Kollektivs betont: “Die Druckerei wurde nicht einfach von ein paar Aktivist*innen besetzt, sie wurde sich viel mehr von verschiedensten Menschen der Zivilgesellschaft angeeignet, die das hiesige Angebot an kultureller und politischer Teilhabe für ihre Bedarfe genutzt haben. Die Nachfrage war riesig. Es gibt kaum unkommerzielle Räume oder nicht-profitorientierte Läden in Frankfurt, in denen man seine eigenen Visionen unkompliziert und niedrigschwellig umsetzen kann! Räume für widerständige Kunst und Politik von unten werden überall beschnitten. Mit der Räumung der Druckerei ist ein weiterer Ort in Frankfurt gestorben, an dem das möglich war. Widerstand aber lässt sich nicht räumen!”

ULTIMATUM DER GOETHE UNIVERSITÄT

Pressemitteilung vom 13.12.2023

Am Montag und Dienstag fanden vom Kollektiv „Die Druckerei“ initiierte Gespräche mit der Goethe-Universität statt, und das obwohl, die Versuche die Universität und die anderen Akteure zu kontaktieren unbeantwortet blieben.

Die Information, dass bereits seit Samstag ein Strafantrag gestellt wurde erfuhr das Kollektiv jedoch nur durch die Presse. Das ist kein Gespräch auf Augenhöhe.

Die Goethe-Universität forderte das Kollektiv „Die Druckerei“ in den Gesprächen auf, das Gebäude der Dondorf-Druckerei bis Mittwoch den 13.12.2023 um 16 Uhr freiwillig zu verlassen. Wenn dies geschähe, gebe es laut der Universität keine Räumung und die Aussicht auf ein Unterstützungsangebot in Gesprächen mit dem Land Hessen. Das Kollektiv lehnt diese unklaren Versprechen jedoch ab. Denn die Ergebnisse, sind keine einer Verhandlung, sondern nur das Anliegen der Universität mit der Drohung einer Räumung untermauert.

In der jüngsten Vergangenheit hat die Goethe-Universität mehrfach gezeigt, dass sich auf Versprechen und Zusagen nicht verlassen werden kann. Im Sommer wurden die Verhandlungen von Seiten der Goethe-Universität ohne Mitteilung abgebrochen und die Druckerei wurde geräumt. Außerdem kam letzte Woche heraus, dass es kein Studierendenhaus auf dem IG-Farben Campus geben wird. Dies war der Universitätsleitung bereits lange bekannt, sie verschwiegen es jedoch.

Die Unterstützungsangebote nur an das Verlassen des Gebäudes zu knüpfen stellt das Kollektiv vor die Frage: Warum ist diese Unterstützung nur möglich, wenn sie das Gebäude verlassen? Wäre das Anliegen der Goethe-Uni so wichtig, würde sie das Kollektiv auch unterstützen, während sie weiterhin das Gebäude sinnvoll nutzen.

Denn in der Zwischenzeit stand das Gebäude leer, da die Universität, das Max-Planck-Institut und das Land Hessen keine Lösung gefunden haben. Es ist immer noch unklar ob das Gebäude erhalten bleibt oder es klimaschädlich abgerissen und neu erbaut wird und die Geschichte des Gebäudes verloren geht.

Außerdem ist unklar wie das hessische Ministerium nach dem Amtsantritt der neuen Regierung zu diesen Gesprächen stehen würde. Die Universität gibt Versprechen die sie nicht garantieren kann.

Für die Menschen, die das Gebäude nutzen, kann es keinen Leerstand in der Druckerei geben. Das Kollektiv hat in den vergangenen Monaten an einem Nutzungskonzept mit vielen Nachbar*innen und Initiativen aus Bockenheim und des Kulturcampus gearbeitet, welches zeigt, dass das Gebäude einen nicht-kommerziellen Raum für Kultur, Zusammenkunft und Gesellschaft, der in Frankfurt dringend gebraucht wird, schaffen kann. Denn bereits seit Jahren kämpfen Initiativen für den Kulturcampus, der immer wieder nach hinten geschoben wird.

Das Kollektiv fordert, dass die Universität beantragt, ihren Nutzungsvertrag zu verlängern und ihrer Verantwortlichkeit nachkommt, das Gebäude in dem guten Zustand, den es im Sommer hatte herzustellen. Damit es sinnvoll genutzt werden kann.

Außerdem soll der Strafantrag sofort zurückgenommen werden, damit eine tatsächlich faire Verhandlungsbasis geschaffen werden kann.

Eine Räumung kann nur mit dem Räumungsbefehl geschehen, welchen es bei der letzten Räumung nicht gibt. Deswegen läuft bereits seit vergangenem Sommer eine Klage.

Der Zustand in dem das Kollektiv die Dondorf-Druckerei vorgefunden hat zeigt, dass das Gebäude in der Hand des Kollektivs besser verwaltet ist.

Deswegen geht es auch heute weiter und es findet weiterhin Programm statt. Um 15 Uhr sind die Tore für ein Hoffest geöffnet, um zu zeigen, dass der Raum benötigt, genutzt und wiederbelebt wird!

GESPRÄCHE MIT DER GOETHE UNIVERSITÄT – PRESSEMITTEILUGN VOM 11.12.2023

Am heutigen Tag den 11.12.2023 ging das Kollektiv „Die Druckerei“ proaktiv auf die Universitätsleitung der Goethe-Universität Frankfurt zu, da bisher alle Kommunikationsversuche mit dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst, der Max-Planck-Gesellschaft sowie der
Goethe-Universität unbeantwortet blieben.

Vertreter*innen von „Die Druckerei“ sprachen mittags mit dem Universitätspräsidenten Enrico Schleiff und dem Leiter des Leitungsbüros Sebastian Keil. Übermittelt wurden die zentralen Forderungen des Kollektivs und es wurde ein weiterer Termin für die nächste gemeinsame Verhandlung festgelegt. Dieser soll nun Dienstag, den 12.12.2023 nachmittags stattfinden.
Die Universität sicherte zu, bis zu diesem Zeitpunkt keine Räumung zu veranlassen.

DIE DONDORF-DRUCKEREI WURDE WIEDER BESETZT

Pressemitteilung vom Sonntag, den 10.12.2023


Die Dondorf-Druckerei wurde am 09. Dezember nach einer ersten Besetzung im Juni 2023 erneut besetzt! Das Kollektiv “Die Druckerei”
betont, dass sie weiterhin für den Erhalt des historischen Gebäudes mitten in Bockenheim kämpft. Das Kollektiv kritisiert den geplanten Abriss nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch aus einer sozialen Perspektive. Laut Kollektiv fehlt es in Frankfurt massiv an zugänglichen Freiräumen, die von der Nachbarschaft getragen und geprägt sind.

Kurz nachdem die Besetzer*innen sich Zugang zum Gelände verschaffen konnten, wurde das Eingangstor durch Beamt*innen blockiert, es kam vonseiten der Polizei zu Handgreiflichkeiten. Ein Mitglied des Kollektivs wurde verletzt. Eine Spontankundgebung mit Live-Musik fand statt. Die Polizei konnte keinen der Verantwortlichen seitens der Goethe-
Universität erreichen, sodass am ersten Tag der Wieder-Besetzung kein
Strafantrag erfolgte.
Nach drei Stunden des Ausharrens vor der Druckerei
wurden die Tore wieder geöffnet, die Polizei rückte ab.

Das Programm am Sonntag war sehr umfangreich. Das Gelände war geöffnet, es gab Führungen, welche die historische Geschichte der Dondorf-Druckereithematisiert haben und verschiedene Kreativ-Workshops, ein Filmabend bildete den Abschluss. Der Kerngedanke der Aktivist*innen wird auch bei dieser Besetzung beibehalten: die Druckerei ist ein Ort für alle. Es bestehen immer Möglichkeiten, niedrigschwellig Räume zu nutzen und eigene Ideen und Projekte umzusetzen. Es wird für die Zeit der Besetzung weiterhin offene Plena geben, sodass Menschen sich neu in das Projekt einbringen und ihre Ideen in der Druckerei verwirklichen können. Das Kollektiv hat für die nächsten Tage weiteres Programm angekündigt.


Jule Liebig, Sprecherin für “Die Druckerei” betont: “Die Druckerei gehört in öffentliche Hand! Es kann nicht sein, dass ein so großes Areal mitten in
der Stadt brach liegt und verfällt!
Wir haben uns in den letzten Monaten sehr ausführlich damit beschäftigt, ein Nutzungskonzept zu erarbeiten und haben damit bereits vorhandene Ideen direkt an Räume zu koppeln. In der Zeit, in der die Druckerei leer stand, hat sich der Zustand des Gebäudes massiv verschlechtert, weil die Universität nicht zum Erhalt der Substanz beigetragen hat. Stattdessen haben wir ein völlig vermülltes Haus vorgefunden, womit offensichtlich wird, dass die Universität keinerlei Interesse hat, das Gebäude zu erhalten. Wir sind erschüttert, aber nicht überrascht! Die Goethe-Universität hat in den letzten Monaten immer wieder bewiesen, dass ihr nicht sonderlich viel an politischem Diskurs liegt, er viel eher versucht wird, zu unterbinden. Wie schon im Sommer scheint ihr ebenfalls nichts an Kommunikation auf Augenhöhe zu liegen – nicht mal die Aufforderung zu gehen wurde direkt an uns gerichtet, sondern lediglich auf der Homepage der Universität veröffentlicht. Der Zustand, in dem wir das Haus vorgefundenhaben, zeigt uns nur zu gut, dass das Haus bei uns definitiv in besseren Händen ist.”


Das Kollektiv ist bereit, in Verhandlung mit dem Land Hessen, der Goethe-Universität und der Max-Plank-Gesellschaft zu treten.

WIEDER-ERÖFFNUNG DER DRUCKEREI: LEERSTAND BEENDET – DIE DRUCKEREI LEBT!

Pressemitteilung vom 9. Dezember 2023

Die Dondorf Druckerei hat ihre Tore wieder geöffnet. Das Kollektiv Die Druckerei hat erneut das Gelände besetzt, um es als nicht-kommerzielles und selbstverwaltetes Kultur- und Bildungszentrum der Stadtgesellschaft und ihren Besucher*innen zugänglich zu machen.

Die Dondorf Druckerei dürfte seit dem Sommer 2023 vielen ein Begriff geworden sein. Wir besetzten das zuletzt von der Goethe-Universität genutzte, über einhundert Jahre alte Gebäude, welches trotz des großen Widerstands der Bockenheimer Zivilgesellschaft abgerissen werden sollte, um dort einen Neubau für das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik zu errichten.

Widerstand gab es, weil ein Abriss und Neubau vermeidbare CO₂-Emissionen mit sich bringen würde. Außerdem sind bereits viele Ressourcen in das Gebäude geflossen, die im Sinne einer nachhaltigen Baupolitik, wie sie die Architects for Future fordern, weiter genutzt werden sollten. Denn die Klimakrise zeigt bereits auf der ganzen Welt ihr Gesicht und lässt klar erkennbar werden, dass jetzt Veränderungen implementiert werden müssen.

Widerstand formierte sich, weil das Gebäude einen Teil jüdischer Geschichte in Frankfurt abbildet. In dem Gebäude befand sich die Druckerei der jüdischen Familie Dondorf, die, nachdem sie ihre Druckerei verkaufen musste, von den Nazis verfolgt und teilweise ermordet wurde. Ein Abriss würde die historische Bedeutung des Gebäudes und die Erinnerung an jüdisches Leben während der NS-Zeit zerstören. Eine historische Aufarbeitung wie sie die Initiative Dondorf-Druckerei geleistet hat, hätte kaum Platz und Relevanz in einem Neubau der Max-Planck-Gesellschaft.

Widerstand kam auf, weil in Frankfurt, wo wachsende Verdrängung und steigende Wohnungslosigkeit auf der Tagesordnung stehen, Leerstand keine Option sein darf. Viele Initiativen kämpfen seit Jahren für mehr freie und nicht-kommerzielle Räume, die mit Kunst, Erinnerungskultur, und politischem Engagement gefüllt werden können. Ein Gebäude ungenutzt stehen zu lassen, um es dann abreißen zu wollen, ist eine Farce.

Damals wie heute kämpfen wir, gemeinsam mit der Initiative des Kulturcampus, für offeneRäume für Kultur, Politik und eigenmächtige Gestaltung auf dem Campus Bockenheim.

Mit dem MPIEÄ würde ein akademisches Prestige-Projekt nach Bockenheim ziehen, welches eine kulturelle Elite anzieht und keinen Raum für selbstorganisierte Kultur bietet. Die Verdrängung und Gentrifizierung wird damit vorangetrieben. Mit uns hingegen gewinnt der Stadtteil einen offenen Raum, der von den Bockenheimer*innen selbst gestaltet werden kann und somit bedarfsgerecht funktioniert.

Im Juni konnten wir die Türen der Dondorf Druckerei für kurze Zeit öffnen. Jeden Tag sind junge und alte Menschen aus Bockenheim und ganz Frankfurt ein- und ausgegangen, haben gesungen, getanzt, diskutiert, gelernt, gestaltet – den Raum so genutzt, wie sie ihn brauchen. Doch am 12. Juli ließ die Goethe-Universität Frankfurt das Gelände räumen. Seitdem, also seit fast 5 Monaten steht das Gebäude leer. Und das, obwohl wir in den Wochen, in denen die Druckerei geöffnet war, gezeigt haben, dass wir und andere Initiativen, Gruppen und Nachbar*innen, dieses Gebäude mit neuem Leben füllen können. Es ist deutlich geworden: Der Bedarf an nicht-kommerziellen Räumen ist und bleibt hoch. Ebenso können wir mit unserem Nutzungskonzept darstellen, dass wir das Gebäude direkt nutzen und den Leerstand beenden können. Doch stattdessen soll das Gebäude leerstehend bleiben, bis der Prozess mit der Max-Planck-Gesellschaft zu einer Lösung kommt – wann auch immer diese sein mag. Allein in dieser Zeit kann das Gebäude von uns sinnvoll genutzt werden.

Der Diskurs um den Erhalt des Gebäudes wurde zwar neu entflammt, doch wir oder andere Menschen aus dem Stadtteil können wie auch schon zuvor nicht an folgenschweren Diskussionen um die Dondorf Druckerei teilnehmen. Denn bereits im Vorhinein gab es keine transparente Kommunikation des Landes Hessen oder der Max-Planck-Gesellschaft über die Abrisspläne. Erst als der lokale Ortsbeirat diese einforderte, stellte die MPG seine Pläne dort vor. Doch das Gutachten, welches den Abriss für nötig erklärte, ist bis heute nicht öffentlich zugänglich. Die Forderung nach Mitbestimmung bei der Gestaltung des Stadtteils wird sowohl vom MPI als auch vom Land Hessen und Universität ignoriert. Wir möchten mit am Tisch sitzen, wenn es um die Zukunft der Stadt geht. Doch zeitgleich nehmen wir die Dinge selbst in die Hand und gestalten den Stadtteil mit seinen Bewohner*innen aktiv selbst. Deswegen öffnen wir heute erneut die Tore der Druckerei für alle. Kommt vorbei und werdet Teil der Druckerei!

Wir kämpfen weiterhin für den Erhalt des Gebäudes und die Nutzung als kulturelles Zentrum für die Stadtgesellschaft – Für eine Stadt von allen für alle!

DONDORF DRUCKEREI GERÄUMT – „DIE VERANTWORTLICHEN MÜSSEN ZUR RECHENSCHAFT GEZOGEN WERDEN“

Heute, am 12. Juli, um 6:30 wurden die Bewohnerinnen der Dondorf-Druckerei von maskierten Männern des hessischen Sondereinsatzkommandos mit gezogenen Waffen geweckt und aus ihren Betten gezerrt. Damit wurden sie ihrem Grundrecht, der Unverletzlichkeit der Wohnung, beschnitten. Das ist eine Gewalterfahrung. Eine Person überwies der Goethe-Universität, die das Nutzungsrecht des Gebäudes innehat, Miete. Mehr als 30 Personen befinden sich in Polizeigewahrsam. Einige Bewohnerinnen wurden von der Polizei sogar nach Darmstadt
gebracht. Es müssen Konsequenzen für die Verantwortlichen folgen!

Verantwortlich für die Räumung ist zum einen das Präsidium der Goethe-Universität, namentlich Präsident Enrico Schleiff und Sebastian Keil, Leiter des Leitungsbüros. Zum anderen die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn, die Mitglied der Grünen ist.


Für den Erhalt des Gebäudes, das einer jüdischen Familie gehörte, kämpfen Anwohnerinnen des Stadtteils Bockenheim in Frankfurt bereits seit 2006. Es ist ein Industriedenkmal, genauso wie es an die Verfolgung von sechs Millionen Jüd*innen und Juden erinnert. Die Mitglieder Familie Dondorf wurden verfolgt, ermordet und in den Selbstmord getrieben. Nun soll auch die letzte Erinnerung an sie weichen. Deutschland, der Erinnerungsweltmeister, entledigt sich
wieder einmal jeder Schuld. Das ist ein politischer Skandal und zeugt von Geschichtsvergessenheit der handelnden Akteurinnen.

Nicht nur ist die Räumung aus rechtsstaatlicher Perspektive problematisch, auch die demokratischen Gremien der Goethe-Universität wurden übergangen. Erst im Frühjahr, nach der gewaltsamen polizeilichen Räumung der Hörsaalbesetzung im Dezember 2022, hatte der Senat, das höchste politische Gremium der Goethe-Universität, ein Beschluss verabschiedet, der erklärt, dass die Universität ein gewaltfreier Raum des Dialogs sei, in der die Sicherheit aller zu gewährleisten sei. Dieser Beschluss war eine Reaktion auf die massive Kritik an dem Polizeieinsatz auf dem Campus, der sich gegen die eigenen Studierenden richtete. Der Leiter des Leitungsbüros, Sebastian Keil und Präsident Schleiff setzen sich heute über diesen Senatsbeschluss hinweg, indem sie erneut statt des Dialogs der Weg der polizeilichen Räumung wählen.

Dies geschieht insbesondere, nachdem wir, Die Druckerei für Alle!, erst gestern alle Akteurinnen erneut angesprochen, zum Dialog und zu weiteren Verhandlungen eingeladen hatten. Die Reaktion der Universität auf dieses Dialogangebot sehen wir heute: die gewaltsame
Räumung.


Der Vorstand des Frankfurt Kreisverbandes der Grünen ist außerdem gestern, also Dienstag, den 11.07., auf uns zugekommen, um gemeinsame Gespräche mit Angela Dorn, der verantwortlichen Ministerin der Grünen auf Landesebene zu arrangieren. Dabei sollten auch das Max-Planck-Institut (MPI), das selbst in den Nationalsozialismus verstrickt war, und die Initiative Kulturcampus Bockenheim sowie die fachliche Perspektive durch Architektinnen vertreten sein, um über die Nutzung und den Erhalt des Gebäudes zu sprechen. Wie sich Angela Dorn und die Grünen ein solches Gespräch vorstellen, während ihre Gesprächspartnerinnen zugleich mit ihrem Wissen und ihrer Zustimmung gewaltsam durch die Polizei geräumt werden, bleibt unklar.

Angela Dorn bleibt sich mit diesem Vorgehen gegen einen zentralen Erinnerungsort für die jüdische Geschichte Frankfurts treu in ihrer mangelnden Solidarität gegenüber jüdischen Menschen in Hessen. Schon während des Documenta-Skandals in Kassel letzten Jahres hatte sich die Ministerin lange zurückgehalten und wollte auf die Antisemitismus-Vorwürfe partout nicht eingehen. Erst nach großem öffentlichem Druck und zahlreicher Kritik seitens jüdischer Organisationen konnte sich dazu durchringen, nicht ohne trotzdem gleichzeitig noch die großartige Arbeit der verantwortlichen Organisatorinnen zu loben.

Zudem steckt das 150 Jahre alte Druckerei-Gebäude voller Grauer Energie. Gemeint ist damit die Energie, die bereits aufgewendet wurde, um das Gebäude zu bauen und zu erhalten und die darin gebunden ist. Mit einem Abriss und dem geplanten Neubau würden, nach Architects for Future, deutlich über einer Millionen Kilogramm CO₂ auf einmal ausgestoßen werden, die auch durch einen energieeffizienteren Neubau nur zu ca. 50 Prozent wieder eingespart werden könnten. Sanierung ist ökologischer als Neubau!


Dass dieses Gebäude rein fachlich erhalten bleiben kann und stabil ist, wurde in den letzten Wochen mehrfach durch Architektinnen und Bauunternehmerinnen bestätigt. Dass Angela Dorn, als Ministerin der Grünen, offensichtlich kein Interesse an diesen ökologischen
Aspekten und der Schaffung von kulturellen Räumen hat, ist schockierend und bezeichnend.


Die Räumung des Gebäudes und der Menschen, die dort wohnten, hat zum jetzigen Zeitpunkt keinen ersichtlichen Grund. Es fanden dort bereits seit Wochen täglich Veranstaltungen und Führungen statt, es gab ein freundliches und solidarisches Verhältnis mit den Mitarbeiter*innen des ansässigen Archivs der Goethe-Universität und keine Vorfälle, die eine Gefährdung von Menschen oder dem Gebäude implizieren könnten. Die Übergabe des Gebäudes an das MPI hätte frühestens im November 2023 stattfinden sollen, nun wird es bis dahin leer stehen.


Wir dagegen haben durch die Nutzung gezeigt, dass diese Freiräume hier in Frankfurt gebraucht werden. Die verantwortliche Ministerin Angela Dorn und die Universität haben jedoch gezeigt, dass sie kein Interesse an einer ökologischen Bauwende, an der Erinnerung jüdischen Lebens in Frankfurt und der Schaffung von kulturellen Räumen haben.


Das MPI hat ebenfalls gezeigt, wie es sich seinen Einstand hier in Bockenheim vorstellt. Mit dieser autoritären Durchsetzung, gegen den demokratischen Willen des Ortsbeirats und der Initiativen hier in Bockenheim und der Menschen, die hier leben, ist fraglich, wie sich das MPI eine Zusammenarbeit mit dem geplanten Kulturcampus vorstellt. Dieser Kulturcampus entsteht nur aufgrund von Protesten und Initiativen wie unseren. Was das MPI davon hält,
haben sie deutlich gezeigt. Nämlich nichts.

  1. Wir fordern, dass die gewaltsame Räumung Folgen für die Verantwortlichen haben muss. Angela Dorn und das Präsidium der Goethe-Universität müssen zurücktreten.
  2. Wir sehen auch, dass die Dondorf-Druckerei noch nicht verloren ist. Wir fordern weiterhin, wie dies unter anderem der Ortsbeirat Bockenheim beschlossen hat, ein Abrissmoratorium für das Gebäude. Diese Beschlussvorlage liegt im Bauausschuss der Stadt Frankfurt. Die Stadtverordneten sind nun zum Handeln gezwungen – sie können den Erhalt des Gebäudes sichern und auch sie tragen Verantwortung.
  3. Dann fordern wir das Land Hessen auf, sich der klima- und erinnerungspolitischen Verantwortung zu stellen und dem MPI ein anderes Grundstück zuzuweisen.


Heute Abend wird es um 19 Uhr für es eine Demonstration auf dem Bockenheimer Campus
stattfinden. Wir laden alle Menschen herzlich sich für den Erhalt der Dondorf-Druckerei
einzusetzen.


Das ist ein Skandal auf allen Ebenen. Wir sind erschütternd und wütend. Viele unserer Freund*innen haben Gewalt von Seiten des Staates erlebt.“, sagt Lukas Geisler, Sprecher der Druckerei. „Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Die Druckerei steht exemplarisch für vieles, was gerade schiefläuft: eine enttäuschende Klimapolitik und autoritäre Trends – im Staat und in der Gesellschaft. Mit Blick auf die Landtagswahl haben die Grünen abermals gezeigt, dass sie nicht auf der Seite der aktiven Zivilgesellschaft stehen.“


„Schon vor Monaten hatte sich der Ortsbeirat Bockenheim gegen einen Abriss ausgesprochen. Initiativen in Bockenheim fordern schon lange ein Mitspracherecht ein. Das autoritäre Vorgehen der Universität des Landes Hessen ist massiv undemokratisch.“ Sagt Gianna Thiele, Sprecherin der Druckerei. „Das Max-Planck-Institut kann sich seinen Platz im Herzen des Kulturcampus nicht polizeilich erzwingen. Dass Menschen einen willkommen heißen, kann man so nicht erwarten. Eines ist klar, so wollen wir euch hier sicher nicht!”